

Quelle: Havadis
Foto: Freepik
Autor: Havadis
Datum: 27/03/2025
Kategorie: Gesellschaft
Das Echo der stillen Schreie: Die sich kreuzenden Wege der Gerechtigkeit
Gerechtigkeit… Manchmal ein Kompass, manchmal ein Zufluchtsort, manchmal ein eiskaltes Schwert. Ein erhabener Begriff, den jeder braucht und dessen Fehlen niemand ertragen kann. Aber leider findet dieses kostbare Juwel oft nicht den Respekt, den es verdient. Schweigen gegenüber dem Unrecht, das andere erleiden, bedeutet, die Saat des Unrechts zu bewässern. Vergessen wir nicht, dass je größer diese Saat wird, desto weiter ihr Schatten reicht und uns eines Tages alle gefangen hält.
Die verstaubten Seiten der Geschichte sind voll von Beispielen, die lautstark davon zeugen, was Schweigen kostet. Die Unschuldigen, die in römischen Arenen den Löwen vorgeworfen wurden, die Schreie, die in den dunklen Gängen der Inquisition verloren gingen, die schmerzhaften Klagen, die auf den Schlachtfeldern des 20. Jahrhunderts widerhallten… Sie alle sind bittere Beweise dafür, wie sich die Stimmen, die sich nicht gegen das Unrecht erhoben, mit der Zeit in einen Albtraum verwandelt haben.
Warum ist diese Stille so verlockend für uns? Vielleicht aus Angst, vielleicht aus Gleichgültigkeit… Oder vielleicht ziehen wir es einfach vor, uns nach dem Motto “was mich nicht berührt, soll tausend Jahre leben” in unsere kleine Welt zurückzuziehen. Aber vergessen wir nicht, dass diese Schlange eines Tages die Kraft erlangen kann, uns alle zu beißen.
Philosophen diskutieren seit Jahrtausenden darüber, was Gerechtigkeit ist und wie sie gewährleistet werden kann. Von Platons Idealstaat bis zu John Rawls’ Gerechtigkeitstheorie haben unzählige Denker diesen Begriff immer wieder umkreist. Aber vielleicht verbirgt sich die einfachste und effektivste Definition in Sokrates’ Worten: “Gerechtigkeit ist, wenn alles an seinem Platz ist.”
Das bedeutet, dass jeder Mensch den Wert erhält, den er verdient, dass jede Stimme gehört wird, dass jede Wunde geheilt wird… Dann ist Gerechtigkeit wirklich Gerechtigkeit. Andernfalls bleibt sie nur ein leerer Begriff, nur eine bittere Erinnerung.
Vergessen wir nicht, dass Gerechtigkeit nicht nur in Gerichtssälen, sondern in allen Bereichen des Lebens sichtbar ist. Ein Unrecht, das unserem Nachbarn zugefügt wird, eine Diskriminierung, die wir auf der Straße sehen, selbst der Schmerz eines Tieres… Alles wird auf der Waage der Gerechtigkeit abgewogen, und wir alle sind dafür verantwortlich, in welche Richtung sich diese Waage neigt.
Deshalb sollten wir nicht schweigen. Wir sollten unsere Augen nicht verschließen und unsere Ohren nicht verstopfen. Denn die Stimme der Gerechtigkeit ist nicht nur die Stimme der Opfer, sondern auch die der Menschheit. Und diese Stimme zum Schweigen zu bringen bedeutet, uns alle zur Dunkelheit des Schweigens zu verurteilen.