Quelle: Havadis
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Autor: Havadis

Datum: 20/03/2025
Kategorie: Gesellschaft

Lesenzeit: 7 min.

Geographie ist nicht Schicksal: Douglass und Tubman

Menschen glauben, dass sie von der Geographie, in der sie leben, geformt werden. Manche glauben sogar, dass der Ort, an dem sie geboren wurden, ihr Schicksal bestimmt. Aber ich denke, das ist nicht der Fall. Die Geographie beeinflusst uns, aber sie bestimmt nicht unser Schicksal. Wir treffen unsere eigenen Entscheidungen, wir gestalten unser eigenes Leben.

Der Ort, an dem Menschen leben, kann sie daran hindern, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und ihre Träume zu verwirklichen. Aber mit Fleiß und harter Arbeit ist alles möglich.

Der Prozess, der 1492 mit der “Entdeckung” Amerikas durch Christoph Kolumbus begann, war eigentlich kein Anfang, sondern die Fortsetzung einer anhaltenden Grausamkeit. Die Europäer errichteten in der Neuen Welt ein rücksichtsloses Kolonialsystem, um sich Gold und Reichtum zu sichern. Sie versklavten und massakrierten die Ureinwohner und nahmen ihnen ihr Land weg.

Aber das war noch nicht alles…

Die Europäer brauchten Arbeitskräfte für die Plantagen in Amerika. Genau an diesem Punkt brachten sie Millionen von Menschen, die sie gewaltsam von der westafrikanischen Küste entführt hatten, auf Schiffen in die “Neue Welt”. Diese schreckliche Reise dauerte Wochen, sogar Monate, und Tausende von Menschen starben in der dunklen, stickigen und ungesunden Umgebung der Schiffe.

Diejenigen, die in Amerika ankamen, gerieten in einen ganz anderen Alptraum. Die Sklaven wurden unter unmenschlichen Bedingungen zur Arbeit gezwungen, von ihren Familien getrennt und jeglicher Folter und Demütigung ausgesetzt. Sie wurden nur als “Besitz” angesehen, ihre Rechte wurden nicht anerkannt.

Doch trotz all dieser Schwierigkeiten und Schmerzen verloren die versklavten Afrikaner niemals ihren Widerstand. In ihren Reihen traten Führer wie Frederick Douglass und Harriet Tubman hervor. Sie kämpften unermüdlich für die Abschaffung der Sklaverei. Mit ihren Reden, ihren Schriften und ihren Taten lösten sie nicht nur in Amerika, sondern in der ganzen Welt ein Echo aus.

An diesem Punkt kehren wir zu der Frage zurück, die wir zu Beginn unseres Artikels gestellt haben: Ist die Geographie Schicksal? Das Leben von Menschen wie Frederick Douglass und Harriet Tubman zeigt, dass die Antwort auf diese Frage definitiv “nein” lautet. Sie wurden in den schwierigsten Gegenden, unter den unmenschlichsten Bedingungen geboren und wuchsen auf. Aber sie überwanden alle Nachteile, die ihre Geographie mit sich brachte, durch ihren eigenen Fleiß, ihren Glauben und ihren Kampf.

Ihre Geschichten erinnern uns daran, dass nicht der Ort unserer Herkunft wichtig ist, sondern unser eigenes Potenzial und unser Wille. Sie zeigen uns, dass nicht wichtig ist, woher wir kommen, sondern wohin wir gehen wollen, um Erfolg zu haben.

Im Amerika des 19. Jahrhunderts als Sklave geboren zu werden, bedeutete, noch vor der Geburt den grausamsten Schlag des Schicksals zu erleiden. Einer von denen, die dieses Schicksal erlitten, war Frederick Augustus Washington Bailey. Seine Kindheit, die in den staubigen Böden Marylands zwischen Peitschenknallen und dem Flüstern der Hoffnungslosigkeit verbracht wurde, lehrte ihn den Wert des Wissens in einer Welt, in der Lesen und Schreiben verboten war. Jeder Buchstabe, den er heimlich lernte, war wie eine Fackel, die er auf dem Weg zur Freiheit entzündete. Als er nach Baltimore geschickt wurde, fand er die Gelegenheit, die Welt der freien Menschen ein wenig zu berühren. In diesen Momenten entfachte sich das Feuer der Freiheit, das in ihm brannte, noch mehr. In einer dunklen Nacht des Jahres 1838 fasste er seinen Mut zusammen, sprengte seine Ketten und begann eine hoffnungsvolle Flucht nach Norden, ins Unbekannte. Als er in New York ankam, wurde er als Frederick Douglass wiedergeboren. Er war nicht länger nur eine Stimme für seine eigene Freiheit, sondern ein Schrei für alle gefesselten Seelen.

Zur gleichen Zeit wuchs auf den Sklavenfeldern Marylands ein kleines Mädchen namens Araminta “Minty” Ross auf. Auch sie spürte den Schmerz der Peitsche und den Kummer der Trennung von ihrer Familie tief. Ein Schlag auf den Kopf in jungen Jahren sollte sie für den Rest ihres Lebens mit anhaltenden Kopfschmerzen und Anfällen plagen. Vielleicht zeigten ihr diese Schmerzen Visionen einer ganz anderen Welt, der Freiheit. Im Jahr 1849 forderte auch sie die Dunkelheit heraus und machte sich allein auf den Weg nach Norden. Von nun an war sie Harriet Tubman. Nachdem sie ihre Freiheit erlangt hatte, vergaß sie niemals ihre zurückgelassenen Geschwister, Freunde und alle versklavten Menschen. Immer wieder kehrte sie in den Süden zurück und war in diesen dunklen Landen ein Licht der Hoffnung. Sie führte Hunderte von Menschen auf geheimen Wegen durch gefahrvolle Nächte in die Freiheit. Ihr Mut war so groß, dass sie “Moses” genannt wurde. So wie Moses sein Volk aus der Sklaverei führte, so führte sie ihr Volk aus der Dunkelheit der Sklaverei ins Licht.

Die Geschichten von Frederick Douglass und Harriet Tubman waren nicht nur individuelle Erfolgsgeschichten. Ihre Kämpfe waren ein Schrei an die ganze Welt, dass die Sklaverei die Menschenwürde verletzt. Ihr Fleiß, ihre Hoffnung und ihre Entschlossenheit ließen die Freiheitsträume von Millionen von Menschen aufkeimen. Sie zeigten, wie stark der menschliche Geist selbst in den schwierigsten Gegenden und in den dunkelsten Zeiten sein kann.

Denken Sie einen Moment darüber nach… Von dem Moment an, in dem Sie geboren werden, nichts zu besitzen. Ihre Familie, Ihre Arbeit, sogar Ihr Name gehören anderen. Jeden Tag unter der Peitsche zu arbeiten, zuzusehen, wie Ihre Lieben vor Ihren Augen verkauft werden, keine Hoffnung für die Zukunft zu haben… Frederick Douglass und Harriet Tubman waren genau diese beiden Hoffnungsschimmer, die inmitten dieser Hölle aufblühten.

Ihre Geschichten flüstern uns zu: Wo wir geboren wurden, unter welchen Bedingungen wir aufgewachsen sind, ist nicht wichtig. Wichtig ist das unsterbliche Feuer der Menschlichkeit in uns, unser Gerechtigkeitssinn und unser Wunsch, für eine bessere Welt zu kämpfen. Die Geographie mag uns einige Grenzen setzen, aber unsere Seele hat die Kraft, diese Grenzen zu überwinden. Wir müssen nur unseren Glauben und unseren Kampf niemals aufgeben, so wie Frederick Douglass und Harriet Tubman.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die außergewöhnlichen Lebensgeschichten von Frederick Douglass und Harriet Tubman zeigen, wie trügerisch der Glaube “Geographie ist Schicksal” ist. Obwohl sie in der grausamen Geographie der Sklaverei geboren wurden, veränderten sie durch ihren eigenen Willen, ihren Fleiß und ihren unermüdlichen Kampf den Lauf der Geschichte. Ihr Vermächtnis erinnert uns daran, dass wir jede Schwierigkeit überwinden können, dass unser Potenzial grenzenlos ist und dass wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen können.

Vergessen wir nicht, dass die Welt immer noch voller Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten ist. Aber wie Frederick Douglass und Harriet Tubman uns gezeigt haben, steckt in jedem von uns die Kraft, diesen Negativitäten entgegenzutreten. Wichtig ist, diese Kraft zu entdecken, daran zu glauben und unermüdlich für eine gerechtere und freiere Welt zu arbeiten. Möge die Geographie nicht unser Schicksal sein, sondern Hoffnung und Kampf unser Weg.

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